Unabhängige Infrastruktur – mit Schnittstellen für die Banken
Milliarden fließen jährlich aus dem Euroraum ab – an außereuropäische Zahlungsdienstleister. Das ist nicht nur eine Frage europäischer Wertschöpfung, es ist auch ein sicherheitspolitisches Problem. Der digitale Euro könnte hier nach Auffassung von Moritz Heuberger eine Gegenbewegung einleiten: als öffentliche, unabhängige Infrastruktur für alle Bürgerinnen und Bürger im Euroraum. Was er leisten muss, damit er wirklich genutzt wird, beschreibt der Politiker in seinem Gastbeitrag.
Der Trend geht klar zum digitalen Bezahlen. Zwar bleibt Deutschland ein Land, in dem Bargeld für Freiheit und Unabhängigkeit geschätzt wird, trotzdem wird zunehmend mit Karte, PayPal oder dem Handy gezahlt. Viele schätzen den Komfort und auch sonst bringt diese Digitalisierung verschiedene Vorteile. Wir begeben uns damit jedoch in die Abhängigkeit von außereuropäischen Unternehmen und gefährden die Souveränität des Zahlungsverkehrs im Euroraum. Das ist ein sicherheitspolitisches Problem und betrifft außerdem europäische Wertschöpfung: Nach Berechnungen auf Basis von EZB-Daten fließen durch Transaktionsgebühren jährlich bis zu neun Milliarden Euro aus dem Euroraum ab. Das deutsche girocard-System ist dabei eine positive Ausnahme, aber bisher nicht flächendeckend im europäischen Ausland funktionsfähig.
Ich begrüße die Pläne für einen digitalen Euro und bin froh, dass es nun eine Einigung im Europäischen Parlament gab. Denn es braucht dringend eine europäische Ergänzung zu den bestehenden Zahlungsmöglichkeiten, parallel zum Bargeld, aber eben digital. So wird eine verlässliche und unabhängige Infrastruktur geschaffen, die durch geringere Transaktionsgebühren Kosten für Bürgerinnen und Bürger sowie den Handel spart.
Es ist mir wichtig, dass diese öffentliche Infrastruktur von der EZB bereitgestellt wird – nur so kann der digitale Euro ein gesetzliches Zahlungsmittel-Äquivalent zum Bargeld werden. Darüber hinaus erwarte ich, dass ein im Alltag gut funktionierender digitaler Euro nur mit der Expertise der Geschäftsbanken möglich ist. Meine Zielvorstellung ist daher eine EZB-App, die Basisfunktionen des digitalen Euros ermöglicht, aber auch offene Schnittstellen enthält, über die Banken zusätzliche Lösungen anbieten können, zum Beispiel Ratenzahlungen. Dadurch steht der digitale Euro nicht in Konkurrenz zu Bankeninitiativen wie Wero, sondern bietet ihnen im Gegenteil die Chance, auf eine EZB-Infrastruktur im gesamten Euroraum zugreifen zu können.
Das Projekt wird sich nur lohnen, wenn der digitale Euro tatsächlich genutzt wird. Benutzerfreundlichkeit und Vertrauen in die Sicherheit der Zahlungsdaten müssen also oberste Priorität haben. Die Menschen werden den digitalen Euro nur nutzen, wenn er einfache, sichere und kostenfreie Zahlungen ermöglicht. Zuletzt ist mir noch wichtig, dass bei diesem großen Projekt auf alle Interessen eingegangen wird: die des Handels, der Bürgerinnen und Bürger, der EZB und der Geschäftsbanken. Ein guter Dialog ist entscheidend, wenn der digitale Euro erfolgreich sein soll. //
Der digitale Euro:
ein Überblick
ein Überblick
Dr. Moritz Heuberger ist seit 2025 direkt gewählter Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis Berlin-Tempelhof-Schöneberg. Er ist ordentliches Mitglied im Finanzausschuss und im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung. Im Jahr 2022 promovierte er in Verwaltungswissenschaft zum Thema „Die Koordination der digitalen Verwaltung“.